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Während zwei Wochen war die «MV Akademik Shokalskiy» der Medienstar auf allen Kanälen. 52 Wissenschaftler, Touristen und Journalisten waren im Eis der Antarktis eingeschlossen. Dies kommt bei Versorgungsschiffen gelegentlich vor, meist abseits der Öffentlichkeit. Weil Touristen und Journalisten an Bord waren wurde regelmässig darüber berichtet.

Starke Winde trieben das Treibeis der Commonwealth Bay in Richtung Süden und schloss das Schiff ein.
Starke Winde trieben das Treibeis der Commonwealth Bay in Richtung Süden und schloss das Schiff ein.

Alles begann am 24. Dezember 2013 auf der Rückfahrt der «MV Akademik Shokalskiy» von der Jubiläumsfahrt zu Ehren des australischen Antarktisforschers Douglas Mawsen, welcher vor genau 100 Jahren durch die Mawson Expedition 1911 - 1914 bekannt wurde. Starke Winde trieben das Treibeis der Commonwealth Bay in Richtung Süden und schloss das Schiff ein. Die Eispressung war von enormer Kraft und für die «MV Akademik Shokalskiy» gab es kein Entkommen mehr.

MV Akademik Shokalskiy eingeschlossen im Eis
MV Akademik Shokalskiy eingeschlossen im Eis

Auf die Hilferufe eilten drei Eisbrecher herbei um Hilfe zu leisten: ein Australischer, ein Französischer und ein Chinesischer. Der Chinesische Eisbrecher «Xue Long» (Schneedrachen) war als erster zur Stelle, konnte sich der «MV Akademik Shokalskiy» aber nur bis auf 10 Seemeilen nähern. In der Zwischenzeit hat das französische Schiff abgedreht, da es bei der eingeschlossenen «MV Akademik Shokalskiy» zu spät angekommen wäre. Das australische Versorgungsschiff «Aurora Australis», gerade beim Entladen der Fracht bei der Station Casey, brach die Arbeit unter Protest der anwesenden Wissenschaftler ab und nahm Kurs in Richtung Osten.

Der Chinesische Eisbrecher «Xue Long» war als erster zur Stelle, konnte sich der «MV Akademik Shokalskiy» aber nur bis auf 10 Seemeilen nähern.
Der Chinesische Eisbrecher «Xue Long» war als erster zur Stelle, konnte sich der «MV Akademik Shokalskiy» aber nur bis auf 10 Seemeilen nähern.

Die Ankunft der «Aurora Australis» wurde in 3-4 Tagen erwartet. Noch vor Eintreffen der «Aurora Australis», wurden die Shokalskiy-Fahrer von den Chinesen mit Hubschrauber evakuiert. Nach dem Eintreffen der «Aurora Australis» sind die 52 Wissenschaftler, Touristen und Journalisten mit einem Hubschrauber des chinesischen Eisbrechers «Xue Long» (Schneedrachen) auf das australische Versorgungsschiff «Aurora Australis» in Sicherheit gebracht worden. Kaum war das australische Versorgungsschiff wieder auf dem Weg zur Polarstation, um die restliche Fracht abzuladen kam der Hilferuf der «Xue Long». Nun steckte der Schneehase im Eis fest. Am 4. Januar 2014 war der Eisbrecher «Polar Star» der US-Küstenwache von Sydney aus in See gestochen, um den festsitzenden Schiffen zu helfen. Dies war dann nicht mehr notwendig. Am 7. Januar 2014 meldeten alle Schiffe, dass sich der Wind gedreht habe und alle aus eigener Kraft wieder frei kamen.

Die geretteten Passagiere müssen noch länger auf Ihre Rückkehr warten.
Die geretteten Passagiere müssen noch länger auf Ihre Rückkehr warten.

Die geretteten Passagiere sollen in etwa zwei Wochen in Australien eintreffen. Die Gruppe werde voraussichtlich am 22. Januar 2014 an Bord der «Aurora Australis» in Hobart auf der Insel Tasmanien ankommen, teilte die australische Antarktis-Behörde AAD mit. Zunächst werde aber ihre Ankunft in der australischen Forschungsstation Casey erwartet.

Dramatische Überwinterung in der Antarktis.

Einen dramatischen Ausgang nahm die Fahrt des Versorgungsschiff «Magdalena Oldendorf» im Jahr 2002. Der Frachter mit Polartauglichkeit sollte im Auftrag des russischen Forschungsinstituts «Arctic and Antarctic Research Institute» (AARI) mehrere Forschungsstationen im Südpolarmeer mit Proviant und Ausrüstung versorgen und 79 russische Forscher im Austausch zu den Stationen bringen. Bei minus 18 Grad und Schneetreiben geriet das Schiff in ein Treibeisfeld. Am 11. Juni 2002 wurde das Schiff vom pressenden Packeis eingeschlossen und lag in der Muskebukta-Bucht an der Schelfeisgrenze fest.

Der argentinische Eisbrecher «Almirante Irizar» eilte zur «Magdalena Oldendorf». Gemeinsam sollten beide den 1100 Kilometer breiten Eisgürtel durchbrechen.
Der argentinische Eisbrecher «Almirante Irizar» eilte zur «Magdalena Oldendorf». Gemeinsam sollten beide den 1100 Kilometer breiten Eisgürtel durchbrechen.

Zur Hilfe eilten der argentinische Eisbrecher «Almirante Irizar» und das südafrikanischen Versorgungsschiff «Agulhas». Zwei Hubschrauber brachten Ende Juni 2002 die Forscher sowie elf Besatzungsmitglieder zum südafrikanischen Versorgungsschiff «Agulhas», das 380 Kilometer von der «Magdalena Oldendorff» entfernt kreuzte. So wurden insgesamt 90 Wissenschaftler und Besatzungsmitglieder in Sicherheit gebracht. Es blieb nur noch eine Notbesatzung von 17 Mann auf dem Schiff.

Die «Magdalena Oldendorf» sollte im Auftrag des russischen Forschungsinstituts «Arctic and Antarctic Research Institute» mehrere Stationen beliefern und Personal austauschen. Daraus wurde dann nichts.
Die «Magdalena Oldendorf» sollte im Auftrag des russischen Forschungsinstituts «Arctic and Antarctic Research Institute» mehrere Stationen beliefern und Personal austauschen. Daraus wurde dann nichts.

Am 7. Juli 2002 erreichte der Eisbrecher «Almirante Irizar» das festsitzende Schiff. Gemeinsam sollten beide den 1100 Kilometer breiten Eisgürtel durchbrechen. Doch der Versuch misslang - das Eis war bereits zu dick. Der Argentinier fuhr allein nach Buenos Aires und der deutsche Frachter blieb in der Eiswüste zurück. Ab da war klar: Vor Beginn des antarktischen Frühjahrs gibt es keinen Weg aus dem Eis heraus. Oktober, hiess es damals, daraus wurde dann Dezember 2002.