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Zum 35. Geburtstag der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis CCAMLR hat die Antarctic Ocean Alliance (AOA), eine Nichtregierungsorganisation zum Schutz des Südpolarmeeres Russland aufgerufen, die Führung in Bezug auf den Erhalt der antarktischen Gewässer zu übernehmen.

Die Russische Föderation begann im März 2015 turnusgemäss ihren zwei-jährigen Vorsitz der CCAMLR. Damit keimt auch die Hoffnung auf, dass Russland die Mitgliedsstaaten der CCAMLR zu einem Durchbruch im drei-jährigen Kampf um die Einrichtung von Meeresschutzgebieten im Rossmeer bringen kann. «Vor beinahe 200 Jahren hat Russland den antarktischen Kontinenten entdeckt (durch Fabian von Bellinghausen, Anm. d. Red.) und mit dieser grossen Ehre kommt auch eine grosse Verantwortung», sagte Grigory Tsidulko, russischer Aktivist bei AOA. «Mit dem Zusammenfallen des CCAMLR-Geburtstages auf den russischen Polarforscherjahrestag am 21. Mai 2015, entsteht die ideale Möglichkeit für Russland, auf ihren Vorsitz zu blicken und wie sie ihre Führungsrolle im Umweltschutz nutzen können, um erfolgreich Meeresschutzgebiete in der Antarktis aufzubauen. Durch das Hinzufügen einer Implementierung von antarktischen Schutzgebieten zu seinem beeindruckenden Portfolio von arktischen Schutzmassnahmen, könnte Russland so zur globalen Nummer Eins im polaren Meeresschutz aufsteigen.»

Seit ein paar Jahren haben verschiedene Umweltschutzorganisationen und die CCAMLR-Mitgliedstaaten versucht, Meeresschutzgebiete im Rossmeer einzurichten, vor allem für die Fische und die Königs- und Eselspinguine. Doch alle Vorschläge wurden abgewiesen. Foto: Oceanwide Expeditions
Seit ein paar Jahren haben verschiedene Umweltschutzorganisationen und die CCAMLR-Mitgliedstaaten versucht, Meeresschutzgebiete im Rossmeer einzurichten, vor allem für die Fische und die Königs- und Eselspinguine. Doch alle Vorschläge wurden abgewiesen. Foto: Oceanwide Expeditions

Die CCAMLR ist eine Konvention, die von Russland und 24 anderen Mitglieder unterzeichnet wurde, um die einzigartigen Ökosysteme des Südpolarmeeres zu schützen und ist Teil des Antarkisvertrages. Alle 25 Mitglieder hatten sich darauf geeinigt, bis 2012 ein repräsentatives Netzwerk von Schutzgebieten in den Gewässern der Antarktis einzurichten. Doch am jährlichen Treffen in Hobart im letzten November kam zum dritten Mal in vier Jahren keine Übereinkunft zusammen. Seit dem Meeting 2010/11 wurden Vorschläge für Schutzgebiete im Rossmeer, vorgestellt von Neuseeland und den USA, und in der Ostantarktis, präsentiert von Australien, der EU und Frankreich, immer wieder abgelehnt. Allfällige Abänderungen wurden zwar diskutiert und präsentiert, aber fanden auch dann noch keine Mehrheit.

Die antarktischen Meeresschutzgebiete wurden an jedem Treffen der CCAMLR verkleinert und angepasst. Trotzdem wurden sie nicht angenommen, vor allem durch das Veto von China, der Ukraine und Russland, die weitere Änderungen verlangt hatten. Karte: AOA
Die antarktischen Meeresschutzgebiete wurden an jedem Treffen der CCAMLR verkleinert und angepasst. Trotzdem wurden sie nicht angenommen, vor allem durch das Veto von China, der Ukraine und Russland, die weitere Änderungen verlangt hatten. Karte: AOA

«Ich bin nicht in der Antarktis gewesen, aber ich habe sehr viel Zeit unter Wasser in der Arktis verbracht und deren Ökosysteme studiert», erklärt Nikolay Shabalin, Taucher, Meeresforscher und Leiter des Zentrums für Meeresforschung an der Moskauer Staatsuniversität. «Polare Meeresökosystem sowohl in der Arktis wie auch in der Antarktis, sind die letzten unberührten Meeresgebiete in den Ozeanen. An beiden Polen werden sie von Klimawandel, zunehmender Fischerei und anderen menschlichen Aktivitäten bedroht. Diese Gebiete sind sehr stark gefährdet und benötigen sofortigen Schutz, so dass sie auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben.» Um das Mandat der CCAMLR zur Errichtung von Schutzgebieten rund um Antarktika zu erfüllen, haben andere Mitglieder begonnen, neue Vorschläge auszuarbeiten: ein Vorschlag für die Antarktische Halbinsel wird von lateinamerikanischen Staaten, Grossbritannien und den USA entwickelt, während Russland und Deutschland zusammen an einem Vorschlag für ein Schutzgebiet in der Weddellsee arbeiten.

Mit teilweise abenteuerlichen Schiffen werden in der Antarktis die Leinen zum Fischfang ausgelegt.
Mit teilweise abenteuerlichen Schiffen werden in der Antarktis die Leinen zum Fischfang ausgelegt.

«Wir müssen anfangen, Politik von Umweltschutz zu trennen, damit wir unsere natürliche Umwelt erhalten können. Dies zum Wohle der Ökosysteme unseres Planeten, der Menschen und aller Arten, die darin leben», erklärt Mark Epstein, der Geschäftsführer der Antarctic and Southern Ocean Coalition (ASOC). «Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges kamen die USA und die UdSSR mit der Weltgemeinschaft zusammen und handelten den Antarktisvertrag aus. So machten sie aus der Antarktis einen Ort des Friedens und der Wissenschaft. Zum 35. Geburtstag der CCAMLR haben die Mitglieder nun die aussergewöhnliche Möglichkeit, aller internationalen Spannungen zum Trotz einen gemeinsamen Nenner zu finden und gemeinsam diese wichtigen und wertvollen Schutzgebiete rund um die Antarktis Wirklichkeit werden zu lassen.» Nichtregierungsorganisationen wie die AOA und ASOC rufen Russland dazu auf, als Vorsitzender der CCAMLR seine Rolle als wichtige Polarnation zu nutzen und die CCAMLR-Mitglieder an ihrem nächsten Treffen im Oktober 2015 zu einem Konsens über die Schutzgebiete zu führen.

Quelle: Antarctic Ocean Alliance, www.antarcticocean.org