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Lange Zeit galt die Polarforschung in der Schweiz als wissenschaftliches Stiefkind, trotz herausragender und international anerkannter Wissenschaftler wie der Klimatologe Professor Thomas Stocker oder dem Leiter des WSL, Professor Konrad Steffen. Nun hat aber auch die Schweiz ihr eigenes Polarinstitut offiziell an einer Pressekonferenz ins Leben gerufen. Unter der Federführung von Polarforscher und Unternehmer Frederik Paulsen wurde das Swiss Polar Institute (SPI) der Öffentlichkeit präsentiert. Gleichzeitig stellten die Initianten auch das erste Grossprojekt des SPI vor: eine 3-monatige wissenschaftliche Expeditionsfahrt durch das gesamte Südpolarmeer zur Untersuchung der Auswirkungen des Klimawandels und der Verschmutzung des Südlichen Ozeans.

Das neugegründete Schweizer Polarinstitut rief ein grosses Medienecho hervor. An der Pressekonferenz traten Professor Thomas Stocker (Uni Bern, ganz links), Polarforscher und Mäzen Frederik Paulsen (2.v.l), Professor Philippe Gillet (EPFL, 2.v.r.) und Staatssekretär des SBFI Mauro Dell’Ambrogio auf. Bild: Heiner Kubny
Das neugegründete Schweizer Polarinstitut rief ein grosses Medienecho hervor. An der Pressekonferenz traten Professor Thomas Stocker (Uni Bern, ganz links), Polarforscher und Mäzen Frederik Paulsen (2.v.l), Professor Philippe Gillet (EPFL, 2.v.r.) und Staatssekretär des SBFI Mauro Dell’Ambrogio auf. Bild: Heiner Kubny

Die polaren Regionen sind von weltweiter Bedeutung, sowohl in geopolitischer wie auch in wissenschaftlicher Hinsicht. Auf der einen Seite sind die möglichen Rohstoffquellen für viele Nationen ein unwiderstehlicher Lockvogel, sich verstärkt mit den Polargebieten zu beschäftigen. Zum anderen zählen dieselben Gebiete zu den vom Klimawandel am stärksten betroffenen Regionen und die Auswirkungen werden global zu spüren sein. Eine immer grösser werdende Zahl von Staaten hat daher seine wissenschaftlichen Arbeiten in der Arktis und Antarktis verstärkt und auch Staaten wie Singapur, Pakistan und sogar die Türkei und der Iran haben polare Forschungsinstitutionen ins Leben gerufen. In der Schweiz waren die Forschungsarbeiten in polaren Gebieten auf einzelnen Gruppen beschränkt. Diese hatten sich aber in den vergangenen Jahrzehnten einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet und waren international sehr anerkannt. Doch eine zentrale Koordinationsstelle fehlte, sowohl aus finanziellen wie auch aus organisatorischen Gründen (Leitung, Standort, etc.). Zumindest bis vor kurzem.

Prof. Thomas Stocker (links) zu Frederik Paulsen (rechts): „Mit dem Schweizer Polarinstitut sind wir auf Augenhöhe zu den grossen Forschernationen“. Bild: Heiner Kubny
Prof. Thomas Stocker (links) zu Frederik Paulsen (rechts): „Mit dem Schweizer Polarinstitut sind wir auf Augenhöhe zu den grossen Forschernationen“. Bild: Heiner Kubny

Unter der Federführung von Frederik Paulsen, seines Zeichens Unternehmer und profunder Polarforscher und –kenner wurde das Swiss Polar Institute (Schweizer Polarinstitut SPI) als Konsortium mehrerer wissenschaftlicher Institutionen gegründet. Am SPI beteiligt sind die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL), die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETHZ) und die Universität Bern (UB). Alle diese Institutionen verfügen bereits über einzelne international vernetzte und anerkannte Polarforschungsgruppen in den verschiedensten Fachbereichen. Frederik Paulsen sagt: „Das Swiss Polar Institute wird helfen, die Erforschung extremer Umgebungen sowie die Entwicklung der Polarwissenschaft voranzutreiben und den Austausch zwischen öffentlichen und akademischen Institutionen, Industrie und privaten Partnern zu fördern.“ Frederik Paulsen ist der Verwaltungsratspräsident von Ferring Pharmaceuticals, ein im Waadtland beheimatetes Pharmaunternehmen und ein exzellenter Kenner der polaren Regionen. Als erster Mensch auf der Welt war es ihm gelungen, alle 8 Pole der Erde zu besuchen. Er unternahm auch beispielsweise zwei Fahrten mit einem russischen U-Boot zum Nordpol, die er selbst finanzierte. Noch 2 Tage vor der Pressekonferenz weilte er am Nordpol. Er hat das SPI initiiert, weil er die Zeit für reif erachtet hat, dass die Schweiz auch in der Polarforschung ihr Potential ausspielen sollte. Und damit ist er bei den renommierten Wissenschaftlern Professor Thomas Stocker von der Universität Bern und Professor Konrad Steffen vom WSL auf offene Ohren gestossen. Professor Stocker, ein international renommierter Klimatologe, begrüsst die Initiative und meint: „Mit dem Schweizer Polarinstitut sind wir auf Augenhöhe zu den grossen Forschernationen.“ Die Schirmherrschaft über das Institut, das auf dem Campus des EPFL in Lausanne beheimatet sein wird, übernimmt das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). Der Staatssekretär Mauro Dell’Ambrigio, der auch an der Pressekonferenz teilnahm, meint dazu: „Das Swiss Polar Institute ist ein überzeugendes Beispiel für intelligente Kooperation. Die Schweizer Hochschullandschaft verdankt ihre hohe Konkurrenzfähigkeit der wohldosierten Kombination aus den Grundsätzen des Wettbewerbs und der Zusammenarbeit zwischen Institutionen.“

Auf die Frage, wie denn das Ganze finanziert werden soll, antwortet Frederik Paulsen: „Für gute Projekte wird es  immer Geld geben. Die Schweiz hat gute Projekte, dafür wird es immer  Unterstützung geben“. Bild: Heiner Kubny
Auf die Frage, wie denn das Ganze finanziert werden soll, antwortet Frederik Paulsen: „Für gute Projekte wird es immer Geld geben. Die Schweiz hat gute Projekte, dafür wird es immer Unterstützung geben“. Bild: Heiner Kubny

Das SPI wird in den nächsten 10 Jahren sowohl von Paulsen via seinem Verlag Editions Paulsen wie auch von den anderen Partnern finanziert und wird als erstes eine grossangelegte Expeditionsfahrt im Südpolarmeer unternehmen. Auf dem russischen Eisbrecher Akademik Treshnikov wird ein internationales Team von rund 50 Forschern während der 3-monatigen Fahrt rund um den antarktischen Kontinenten insgesamt 22 Projekte betreiben. Die einzelnen Forschungsbereiche sind vor allem den Themen Ozeanographie, Biologie, Klimatologie und Glaziologie gewidmet und die Untersuchungen reichen von den Tiefseeregionen bis weit in die Atmosphäre hoch. Ziel der Fahrt ist es, die Auswirkungen des Klimawandels auf die verschiedenen System und die Verschmutzung des Südpolarmeeres zu untersuchen. Professor Jean Jouzel, Mitglied des ACE-Panels, erklärt dazu: „Die ACE-Initiative ist eine einzigartige Chance. Die Vereinigung so vieler verschiedener Projekte und Disziplinen für eine Antarktika-Umrundung und die Erhebung einer signifikanten Anzahl wissenschaftlicher Daten wird uns helfen, die Vergangenheit besser zu verstehen und die Zukunft des Südpolarmeeres besser vorauszuplanen.“ Unter den Forschungsteams sind auch mehrere Schweizer Gruppen, die verschiedene Projekte bearbeiten und Untersuchungen durchführen werden, darunter die ETH Zürich, das Paul-Scherrer-Institut, das EPFL und die Universität Genf. Die Fahrt soll am 20. Dezember in Kapstadt losgehen und in drei Etappen via Hobart und Punta Arenas bis am 18. März 2017 wieder in Kapstadt ankommen. Wir von PolarNEWS werden an dieser Stelle immer wieder darüber berichten.

Das erste Grossprojekt des SPI ist die Antarctic Circumnavigation Expedition (ACE), eine 3-monatige Wissenschaftsexpedition rund um Antarktika. Dabei sein wird ein Team aus rund 50 Forschern aus 30 Ländern. Karte: SPI
Das erste Grossprojekt des SPI ist die Antarctic Circumnavigation Expedition (ACE), eine 3-monatige Wissenschaftsexpedition rund um Antarktika. Dabei sein wird ein Team aus rund 50 Forschern aus 30 Ländern. Karte: SPI

Quelle: Swiss Polar Institute