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Kurz nachdem die «Terra Nova» vor der Küste Grönlands entdeckt wurde, wird der nächste Sensationsfund gemeldet: Nach mehr als 160 Jahren haben Archäologen ein Wrack der legendären Franklin-Expedition in der Nordwestpassage gefunden. Die Suche Franklin's nach der Nordwestpassage endete damals in einem Desaster.

Die «HMS Erebus» oder die «HMS Terror»? Das Wrack ist gut erhalten. Doch welches der beiden Schiffe der Expedition gefunden wurde, ist unklar
Die «HMS Erebus» oder die «HMS Terror»? Das Wrack ist gut erhalten. Doch welches der beiden Schiffe der Expedition gefunden wurde, ist unklar

Der kanadische Premierminister Stephen Harper liess es sich nicht nehmen, an der Medienkonferenz, den historischen Fund persönlich zu verkünden. Es sei ein wichtiger Tag in der Geschichte des Landes, sagte der Politiker mit ungewohntem Frohmut in Ottawa und präsentierte dabei stolz eine Sonaraufnahme des gut erhaltenen Franklin-Wracks.

Kanadas Premierminister Stephen Harper beobachtet wie Parkranger Ryan Harris die Entdeckung eines von zwei Schiffen aus der Franklin-Expedition am 9. September in Ottawa erklärt.
Kanadas Premierminister Stephen Harper beobachtet wie Parkranger Ryan Harris die Entdeckung eines von zwei Schiffen aus der Franklin-Expedition am 9. September in Ottawa erklärt.

Die 130 Männer der Franklin-Expedition waren 1845 von London aus aufgebrochen, um im Auftrag der britischen Admiralität eine eisfreie und schiffbare Nordwestpassage in der kanadischen Arktis zu finden. Einen Seeweg, der den lukrativen Warenfluss zwischen Europa und Asien beschleunigen sollte. Doch die Erkundungsmission endete mit dem qualvollen Untergang der ganzen Mannschaft.

Hier sind die markanten Punkte der Franklin-Expedition aufgezeichnet, welche bei King William Island ein tragisches Ende nahm.
Hier sind die markanten Punkte der Franklin-Expedition aufgezeichnet, welche bei King William Island ein tragisches Ende nahm.

In den letzten 160 Jahren endeten unzählige Suchaktionen ohne dass die Expeditionsschiffe gefunden wurden. Warum es diesmal geklappt hat, hat zwei Gründe: die moderne Technik und der Klimawandel. Als Folge des Klimawandels ist die Nordwestpassage nämlich seit kurzem teilweise eisfrei und für Schiffe befahrbar. Die kanadischen Forscher konnten also im Prinzip problemlos an den Ort gelangen, wo die beiden Schiffe der Franklin-Expedition zwei Winter und einen Sommer lang festgefroren waren und von wo aus sich die Männer, die noch lebten, schliesslich zu Fuss aufgemachten, um aufs kanadische Festland zu gelangen. Nur war nicht genau bekannt wo die Schiffe seinerzeit steckengeblieben waren und wohin sie später bei Tauwetter im Treibeis davon gedriftet sind. Es waren vermutlich Hunderte Kilometer.

Nach sechs Jahren zum Erfolg. Nur dank der modernen Technik war es möglich das Wrack zu finden.
Nach sechs Jahren zum Erfolg. Nur dank der modernen Technik war es möglich das Wrack zu finden.

Modernste Technik machte es jetzt möglich, eines der Schiffswracks am Meeresboden aufzuspüren. Die kanadischen Forscher sind seit 2008 im Auftrag der Regierung immer wieder zur Suche aufgebrochen und haben das Schiff mit einem U-Boot aufgespürt.

Die Archäologen haben das Schiff in erstaunlich gutem Zustand vorgefunden. Zwar ist es in sich zusammengesunken. Holz und Eisenteile liegen übereinander am Boden. Die Sonaraufnahmen zeigen aber das Bild eines perfekt geordneten Umrisses. Wie ein Weberschiffchen ruht das Wrack auf dem Meeresboden. Es ist noch unklar, ob es sich beim Fund um die «HMS Erebus» oder die «HMS Terror» handelt. Es ist auch nicht bekannt, was, abgesehen von den Schiffsüberresten, die vergangenen Jahrzehnte überdauert hat. Doch hoffen die kanadischen Wissenschaftler, dank des Schiffs mehr über das Schicksal der Mannschaft und den Verbleib des zweiten Schiffs zu erfahren.

Die «HMS Erebus» und die «HMS Terror» am 19. Mai 1845 beim Verlassen von England.
Die «HMS Erebus» und die «HMS Terror» am 19. Mai 1845 beim Verlassen von England.

Expedition mit unklarem Ende

Vieles ist bekannt über den glamourösen Start des Unternehmens, wenig jedoch über sein Ende. Die Expedition verliess am 19. Mai 1845 unter der Leitung des Kapitäns Sir John Franklin England. Die Begeisterung war gross. Das 19. Jahrhundert ist die grosse Zeit der englischen Polarforschung. Das öffentliche Interesse an der fernen Arktis und den Reiseberichten der Abenteurer war gigantisch. Und England war dazumal ein stolzes und reiches Land, die Wiege der industriellen Revolution. Niemand zweifelt am Erfolg der Mission, die der Kolonialmacht England den kürzesten Weg zeigen soll, der den Atlantik mit dem Pazifik verbindet.

Die Rümpfe der «Erebus» und der «Terror» waren mit Stahl verstärkt. Ausgerüstet mit Dampfmaschinen, Schraubenantrieb, Heizungs- und Entsalzungsanlagen. An Bord war alles, was das Viktorianische England an Luxus bereithielt. Es war eine lange Liste: Porzellangeschirr, Silberbesteck, geschliffene Gläser, 1'200 Bücher, Schreibtische aus Mahagoni, Musikinstrumente und vieles mehr. Im Bauch der Schiffe lagerten auch Nahrung für drei Jahre, darunter 45 Tonnen damals ganz neu entwickelter Konservendosen mit Fleisch, Gemüse und Suppe, 40'000 Liter Zitronensaft gegen Skorbut, 68 Tonnen Mehl, elf Tonnen gepökeltes Fleisch, ein Dutzend lebende Ochsen, 17 Tonnen Kekse, 12 Tonnen Zucker, 4 Tonnen Schokolade, dreieinhalb Tonnen Tabak, eine Tonne Tee. Die beiden Schiffe waren bis unters Deck beladen und lagen schwer im Wasser. Was sie jedoch nicht an Bord hatten, waren überlebenswichtige Dinge wie Schneebrillen oder Waffen und Geräte, mit denen die Männer Wildtiere jagen oder Fische hätten fangen können. Was fehlte, waren auch Rettungspläne.

Die ersten Toten wurden auf Beechey Island begraben. Ihre Leichen überdauerten praktisch unversehrt im gefrorenen Boden.
Die ersten Toten wurden auf Beechey Island begraben. Ihre Leichen überdauerten praktisch unversehrt im gefrorenen Boden.

Tödliche Konservendosen

Schon nach neun Wochen verlor sich der Kontakt mit der Alten Welt. Und nach neun Monaten begann ein grausames Sterben. Die ersten Todesopfer wurden noch begraben. Ihre Leichen überdauerten praktisch unversehrt im gefrorenen Boden von Beechey Island. Ein kanadisch-amerikanisches Forscher-Team kam in den 1980er-Jahren der Todesursache auf die Spur. Die drei Männer waren mit Blei vergiftet. In der Tat weisen die noch immer zu Hunderten um dieses erste Winterlager verstreuten Konservenbüchsen Fabrikationsfehler auf. Die von Hand gefertigten Dosen waren unzureichend verlötet. Lötblei war bei der Herstellung auf der Innenseite der Büchsen heruntergetropft. Die Nahrung war kontaminiert und verdorben. Die Teilnehmer vergifteten sich Bissen für Bissen und Schluck für Schluck mit Blei. Vermutlich aber auch mit Botulinumtoxin, ein Gift, das von Bakterien produziert wird, die unter prekären hygienischen Bedingungen beim Abfüllen in die Büchsen gelangt waren.

Kontaminierte Dosen war Grund des schleichenden Todes der Besatzung der Franklin Expedition.
Kontaminierte Dosen war Grund des schleichenden Todes der Besatzung der Franklin Expedition.

Geistige Verwirrung führt ins Verderben

Die schleichende Vergiftung – die neben körperlichem Versagen zu geistiger Verwirrung führte – erklärt auch einige der zunächst rätselhaft anmutenden Verhaltensweisen der Expeditions-Teilnehmer. Zum Beispiel warum die Männer, die nach drei Jahren die blockierten Schiffe verliessen, um Festland zu finden, offensichtlich immer zielloser herumirrten. Warum sie nutzlose Luxusgüter wie Gardinenstangen, Taschenuhren und seidene Taschentücher übers Eis schleppen. Und warum sie gegeneinander gewalttätig wurden. Davon zeugten die Funde späterer Suchexpeditionen und die Aussagen von einheimischen Inuit.

Die ausgegrabenen Mumien waren in erstaunlich gutem Zustand.Die ausgegrabenen Mumien war