Das letzte Interglazial, die Warmzeit vor 130.000-116.000 Jahren, ist ein mögliches Analogon für künftige Klimaveränderungen. Damals lagen die Temperaturen über arktischen Landgebieten vier bis fünf Grad Celsius über denjenigen in der vorindustriellen Zeit. Klimamodelle konnten diese erhöhten Temperaturen bisher nicht richtig nachstellen. Jetzt hat ein internationales Forscherteam mit der aktuellen, hochentwickelten Version eines Klimamodells des britischen Met Office Hadley Centre es geschafft, das Klima des letzten Interglazials mitsamt seinen erhöhten Temperaturen zu simulieren. Die Ergebnisse der Forschenden, veröffentlicht Anfang August in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Climate Change“ sind wichtig, um die Vorhersagen zukünftiger Veränderungen des Meereises zu verbessern.

Arktisches Meereis im April 2020 Foto: Alfred-Wegener-Institut / Michael Gutsche
Arktisches Meereis im April 2020 Foto: Alfred-Wegener-Institut / Michael Gutsche

Im Frühling und Frühsommer bilden sich auf der Oberfläche des arktischen Meereises flache Wasserlachen. Diese "Schmelztümpel" sind wichtig dafür, wie viel Sonnenlicht vom Eis absorbiert wird und wie viel wieder in den Weltraum zurückgekehrt. Das Modell des Hadley Centre beinhaltet die Schmelztümpel und ist Großbritanniens raffinierteste physikalische Darstellung des Erdklimas. „Die Fortschritte bei der Klimamodellierung bedeuten, dass wir das Erdklima der Vergangenheit besser simulieren können, was uns wiederum mehr Sicherheit bei Modellvorhersagen für die Zukunft gibt“, erläutert Dr Maria Vittoria Guarin vom British Antarctic Survey, Erstautorin der Studie.

Anhand des Modells kommt das Team zu dem Schluss, dass die Arktis während des letzten Interglazials (LIG) frei von Meereis war. „Diese eisfreie Arktis liefert eine überzeugende Lösung für das seit langem bestehende Rätsel, was die arktische LIG-Wärme antrieb, und unterstützt die Prognose eines schnellen Rückzugs des zukünftigen arktischen Sommermeereises“, schreiben die Autoren in der Zusammenfassung ihrer Studie. Denn Zukunftssimulationen mit ihrem Klimamodell deuten darauf hin, dass die Arktis bis 2035 meereisfrei sein wird. „Die Aussicht auf den Verlust von Meereis bis zum Jahr 2035 sollte uns dazu bringen, wirklich alles darauf zu konzentrieren, so schnell wie menschenmöglich eine kohlenstoffarme Welt zu erreichen“, sagt Dr. Louise Sime, Leiterin der Palaeoklima-Gruppe am British Arctic Survey.

Quelle: BAS / Nature Climate Change